
Der RICE-Score ist eine Priorisierungskennzahl, die Reichweite, Wirkung und Zuversicht multipliziert und durch den Aufwand teilt: RICE = Reach × Impact × Confidence / Effort. Sean McBride entwickelte die Methode als Produktmanager bei Intercom. Im Original bewertet eine fünfstufige Skala von 0,25 bis 3 den Impact, und der Effort zählt in Personenmonaten.
Was ist der RICE-Score?
Der RICE-Score ist eine Zahl, die angibt, wie viel Wirkung ein Vorhaben pro Personenmonat Arbeit verspricht. Je höher der Score, desto weiter oben steht das Vorhaben auf der Liste. RICE steht für Reach (Reichweite), Impact (Wirkung), Confidence (Zuversicht) und Effort (Aufwand).
Sean McBride beschreibt die Methode im Intercom-Blog im Artikel RICE: Simple prioritization for product managers. Sein Ziel: Ideen nach denselben vier Faktoren vergleichen, statt Lieblingsprojekte oder die lauteste Stimme entscheiden zu lassen. Die Methode stammt aus dem Produktmanagement, passt aber auf jede Liste konkurrierender Vorhaben, vom Feature-Backlog bis zum Verbesserungsprojekt im Planungsbüro.
Wie lautet die RICE-Formel?
Die RICE-Formel multipliziert Reach, Impact und Confidence und teilt das Produkt durch den Effort. Der Aufwand steht im Nenner, weil mehr Arbeit den Wert eines Vorhabens senkt.
Die RICE-Formel
Wirkung pro Personenmonat, Skalen nach Intercom
Die vier Faktoren und ihre Skalen im Original:
| Faktor | Frage | Einheit und Skala nach Intercom |
|---|---|---|
| Reach (Reichweite) | Wie viele Personen erreicht das Vorhaben in einem festen Zeitraum? | Personen oder Ereignisse pro Zeitraum, bei Intercom Kunden pro Quartal |
| Impact (Wirkung) | Wie stark verändert es das Ergebnis für jede erreichte Person? | 3 = massiv, 2 = hoch, 1 = mittel, 0,5 = gering, 0,25 = minimal |
| Confidence (Zuversicht) | Wie belastbar sind Ihre Schätzungen? | 100 % = hoch, 80 % = mittel, 50 % = niedrig; darunter nennt McBride das Vorhaben einen „Moonshot“ |
| Effort (Aufwand) | Wie viel Arbeit kostet es alle Beteiligten zusammen? | Personenmonate, ganze Zahlen oder 0,5 für deutlich unter einem Monat |
Im Umlauf sind abweichende Varianten, etwa Impact auf einer Skala von 1 bis 5 oder Effort in Personentagen. Beide verändern das Gewicht der Faktoren und damit das Ranking. Legen Sie die Skalen deshalb einmal im Team fest und wechseln Sie sie nicht zwischen zwei Bewertungsrunden. Für eine belastbare Aufwandsschätzung eignet sich die Drei-Punkt-Schätzung.
Wie berechnet man den RICE-Score? Beispiel mit fünf Vorhaben
Den RICE-Score berechnen Sie, indem Sie für jedes Vorhaben die vier Werte schätzen, die Formel anwenden und die Vorhaben nach dem Ergebnis absteigend sortieren. Der absolute Wert sagt wenig; aussagekräftig ist die Rangfolge innerhalb einer Liste mit denselben Einheiten.
Unser Beispiel: Das Produktteam einer Baustellen-App mit 3.000 aktiven Nutzern pro Quartal wählt aus fünf Vorhaben für das nächste Release. Reach zählt Nutzer pro Quartal, Effort Personenmonate.
| Vorhaben | Reach | Impact | Confidence | Effort | RICE-Score | Rang |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Dunkelmodus | 3.000 | 0,25 | 80 % | 0,5 | 1.200 | 1 |
| Offline-Modus ausbauen | 2.400 | 2 | 80 % | 4 | 960 | 2 |
| Fotos im Bauplan verorten | 1.800 | 1 | 100 % | 2 | 900 | 3 |
| PDF-Mängelbericht | 1.200 | 1 | 80 % | 1,5 | 640 | 4 |
| Mängel per Spracheingabe | 900 | 2 | 50 % | 1,5 | 600 | 5 |
Ranking nach RICE-Score
Rechenweg für Platz 1: 3.000 × 0,25 × 0,8 / 0,5 = 1.200
Zwei Beobachtungen aus dem Beispiel:
- Confidence kippt das Ranking. Sinkt die Zuversicht beim Dunkelmodus von 80 auf 50 %, fällt sein Score auf 3.000 × 0,25 × 0,5 / 0,5 = 750. Er rutscht damit hinter Offline-Modus (960) und Planverortung (900) auf Platz 3. Prüfen Sie bei knappen Abständen, welche Schätzung das Ergebnis trägt.
- RICE kennt keine Pflichtmerkmale. Dieselbe App haben wir im Artikel zum Kano-Modell mit 40 Bauleitern befragt: Der Offline-Modus ist dort ein Basismerkmal, der Dunkelmodus indifferent. Ein Basismerkmal liefern Sie unabhängig vom Score, sonst verlieren Sie Nutzer. Ziehen Sie solche Merkmale vor der RICE-Bewertung aus der Liste.
Welche Grenzen hat die RICE-Methode?
Die RICE-Methode liefert eine Rangfolge, aber keine Entscheidung. Vier Grenzen sollten Sie kennen:
- Scheingenauigkeit: Ein Score von 960 klingt exakt, beruht aber auf vier Schätzungen. Senken Sie bei der Planverortung die Confidence von 100 auf 80 %, fällt ihr Score von 900 auf 720.
- Abhängigkeiten fehlen: RICE bewertet jedes Vorhaben einzeln. Setzt die Spracheingabe den Offline-Modus voraus, zeigt das kein Score, wohl aber ein Projektplan mit Abhängigkeiten.
- Reichweite dominiert: Vorhaben für alle Nutzer schlagen Spezialfunktionen fast immer, auch wenn eine kleine Gruppe sie dringend braucht.
- Pflicht bleibt Pflicht: Gesetzliche Vorgaben und Basismerkmale stehen außerhalb der Rechnung.
RICE, ICE, MoSCoW oder Kano: Welche Methode passt wann?
RICE passt, wenn Sie viele Vorhaben mit messbarer Reichweite vergleichen und eine Rangfolge brauchen. Die anderen drei Methoden beantworten andere Fragen:
| Methode | Leitfrage | Ergebnis | Grundlage |
|---|---|---|---|
| RICE | Was bringt am meisten Wirkung pro Aufwand? | Rangfolge nach Score | Schätzung von vier Faktoren |
| ICE | Was lohnt sich schnell? | Rangfolge aus Impact, Confidence und Ease | Schätzung ohne Reichweite, Ease statt Aufwand |
| MoSCoW | Was muss in dieses Release, was kann warten? | Vier Gruppen: Must, Should, Could, Won’t | Entscheidung im Team |
| Kano | Wie wirkt ein Merkmal auf die Zufriedenheit? | Fünf Kategorien von Basis bis Rückweisung | Umfrage mit Fragenpaaren |
In der Praxis ergänzen sich die Methoden: Kano trennt Basismerkmale ab, RICE reiht die übrigen Vorhaben, MoSCoW legt fest, was in den nächsten Termin passt.
Wie setzen Sie RICE in Merlin Project um?
In Merlin Project bilden Sie RICE mit eigenen Feldern der Art Zahl ab und sortieren den Strukturplan nach dem Score. Eigene Felder speichern Werte, sie rechnen keine Formeln. Den Score berechnen Sie deshalb einmal je Vorhaben und tragen ihn als eigenen Wert ein.
- Vorhaben als Vorgänge anlegen: Jedes Vorhaben wird ein Vorgang im Strukturplan.
- Vier Faktor-Felder anlegen: Wählen Sie Einfügen > Spalte, dann Für neues Feld, und legen Sie die Felder „Reach“, „Impact“, „Confidence“ und „Effort“ an. Wählen Sie im Inspektor der Spalte jeweils die Art Zahl, für Confidence die Variante Prozent.
- Skalen vorgeben: Tragen Sie bei Impact unter Vordefinierte Werte 3, 2, 1, 0,5 und 0,25 ein, bei Confidence 100, 80 und 50 %. Lassen Sie Freie Eingabe erlauben aus, damit alle dieselbe Skala nutzen.
- Score eintragen: Legen Sie ein fünftes Feld „RICE-Score“ der Art Zahl an und tragen Sie das Ergebnis der Formel ein.
- Absteigend sortieren: Klicken Sie mit der rechten Maustaste auf die Spaltenüberschrift „RICE-Score“ und wählen Sie Absteigend sortieren. Manuell sortieren stellt die ursprüngliche Reihenfolge wieder her.
- Score-Bänder bilden: Eine eigene Gruppierung nach „RICE-Score“ mit der Option in Intervallen von 250 fasst Vorhaben ähnlicher Priorität zusammen.
Nach dem RICE-Score sortieren
Das Kontextmenü der Spaltenüberschrift sortiert jede Spalte auf- oder absteigend, auch eigene Felder. Über Neue Spalte fügen Sie die RICE-Felder ein, die Sie bereits angelegt haben. Eigene Felder, Filter und Gruppierungen gibt es in Merlin Project, nicht in Merlin Project Express.
Die Vorhaben mit dem höchsten Score ziehen Sie anschließend in die Umsetzung: Auf dem Kanban-Board von Merlin Project verfolgen Sie ihren Status, im Reiter Plan des Inspektors tragen Sie Arbeit und Dauer ein. Aus dem geschätzten Effort wird so ein geplanter Aufwand, den Sie später mit dem tatsächlichen vergleichen.
Fazit
Der RICE-Score macht Priorisierung nachvollziehbar: Jede Zahl der Formel lässt sich diskutieren, und eine geänderte Schätzung zeigt sofort ihre Wirkung auf das Ranking. Halten Sie sich an die Original-Skalen und ziehen Sie Pflichtmerkmale vor der Bewertung ab.
Dieser Artikel ist der zweite Teil unserer Serie über Priorisierungsmethoden. Im ersten Teil geht es um die MoSCoW-Methode, im dritten um das Kano-Modell.
Haben Sie Fragen zu diesem Blogartikel oder möchten darüber diskutieren, freuen wir uns auf Ihren Beitrag bei uns im Forum.
Häufige Fragen
Wie berechnet man den RICE-Score?
Multiplizieren Sie Reach, Impact und Confidence und teilen Sie das Ergebnis durch den Effort. Beispiel: 2.400 erreichte Nutzer pro Quartal × Impact 2 × Confidence 80 % / 4 Personenmonate ergibt einen RICE-Score von 960.
Wofür steht RICE?
RICE steht für Reach (Reichweite), Impact (Wirkung), Confidence (Zuversicht) und Effort (Aufwand). Die Methode stammt von Sean McBride, der sie als Produktmanager bei Intercom entwickelt und im Intercom-Blog beschrieben hat.
Was ist ein guter RICE-Score?
Einen absoluten Grenzwert gibt es nicht. Der Score hängt von der Einheit der Reichweite ab, etwa Nutzer pro Quartal oder Transaktionen pro Monat. Aussagekräftig ist nur die Rangfolge innerhalb einer Liste, die mit denselben Einheiten und Skalen bewertet wurde.
Welche Impact-Skala nutzt die RICE-Methode?
Im Original nach Intercom gilt: 3 = massiv, 2 = hoch, 1 = mittel, 0,5 = gering, 0,25 = minimal. Confidence bewerten Sie mit 100 %, 80 % oder 50 %. Skalen von 1 bis 5 sind spätere Abwandlungen und verschieben das Gewicht der Faktoren.
Was ist der Unterschied zwischen RICE und ICE?
ICE bewertet Impact, Confidence und Ease und verzichtet auf die Reichweite. Statt den Aufwand in Personenmonaten zu schätzen, bewertet ICE, wie leicht sich ein Vorhaben umsetzen lässt. RICE ist dadurch aufwendiger, trennt aber Vorhaben für viele Nutzer klarer von Spezialfunktionen.