Time Blocking: Methode, Beispiel-Tagesplan, Vor- und Nachteile

Time Blocking: den Arbeitstag in feste Zeitblöcke aufteilen

Time Blocking ist eine Zeitmanagement-Methode, bei der Sie Ihren Arbeitstag vorab in feste Zeitblöcke aufteilen und jedem Block eine Aufgabe oder Aufgabenart zuweisen. Bekannt gemacht hat sie Cal Newport, Informatikprofessor an der Georgetown University, mit seinem Buch „Deep Work“ (2016). Er plant jeden Abend 10 bis 20 Minuten lang den nächsten Tag.

Was ist Time Blocking?

Time Blocking ist die Planung Ihres Arbeitstags in Zeitblöcken: Statt einer offenen To-do-Liste legen Sie im Kalender fest, wann Sie woran arbeiten. Jeder Block hat einen Zweck, etwa konzentrierte Arbeit, Besprechungen oder gebündelte E-Mails.

Die Methode verbindet zwei Werkzeuge, die sonst getrennt laufen: die Aufgabenliste und den Kalender. Erst im Block bekommt eine Aufgabe Uhrzeit und Dauer, und Sie sehen sofort, ob Ihr Tag sie überhaupt hergibt.

Cal Newport beschreibt sein Vorgehen so: Er teilt ein Blatt in zwei Spalten, gibt jeder Stunde zwei Zeilen und beschriftet die Blöcke mit konkreten Aufgaben. Die zweite Spalte bleibt frei für Korrekturen, wenn der Tag anders läuft als geplant (Cal Newport: Deep Habits, 2013). Time Blocking ist eine der Techniken, die wir im Überblick zum Zeitmanagement vorstellen.

Wie sieht ein Time-Blocking-Tagesplan aus?

Ein Time-Blocking-Tagesplan teilt den Arbeitstag lückenlos in Blöcke mit Uhrzeit, Zweck und Dauer, einschließlich Pausen und Puffer. Das folgende Beispiel zeigt den Dienstag einer Projektleiterin, die für ein Architekturbüro den Neubau eines Mehrfamilienhauses steuert.

Zeit Block Inhalt Dauer
07:30 bis 08:00 Planung Tagesplan prüfen, Prioritäten setzen 30 min
08:00 bis 10:00 Fokusblock 1 Terminplan aktualisieren, Nachtrag prüfen 120 min
10:00 bis 10:15 Puffer Überhang aus Fokusblock 1 15 min
10:15 bis 11:00 Termin Jour fixe mit Fachplanern 45 min
11:00 bis 12:00 Kommunikation E-Mails und Rückrufe gebündelt 60 min
12:00 bis 12:30 Pause Mittagspause 30 min
12:30 bis 13:45 Termin Baustellenbegehung 75 min
13:45 bis 14:00 Puffer Fahrt, Notizen aus der Begehung 15 min
14:00 bis 16:00 Fokusblock 2 Kostenkontrolle, Rechnungsprüfung 120 min
16:00 bis 16:30 Kommunikation Freigaben und Rückfragen 30 min
16:30 bis 17:00 Planung Tagesabschluss, Plan für morgen 30 min

Tagesleiste: Time Blocking einer Projektleiterin

Dienstag, 07:30 bis 17:00 Uhr, Blockhöhe entspricht der Dauer

07:30PlanungTagesplan prüfen30 min
08:00Fokusblock 1Terminplan aktualisieren, Nachtrag prüfen120 min
10:00Puffer15 min
10:15Jour fixemit Fachplanern45 min
11:00KommunikationE-Mails und Rückrufe gebündelt60 min
12:00Mittagspause30 min
12:30Baustellenbegehungvor Ort75 min
13:45Puffer15 min
14:00Fokusblock 2Kostenkontrolle, Rechnungsprüfung120 min
16:00KommunikationFreigaben und Rückfragen30 min
16:30TagesabschlussPlan für morgen30 min
Fokus 240 minTermine 120 minKommunikation 90 minPlanung 60 minPuffer 30 min
Zwei Fokusblöcke mit zusammen 4 Stunden, Termine und Kommunikation gebündelt, 30 Minuten Puffer. Von 540 Minuten Arbeitszeit gehen 44,4 % in konzentrierte Arbeit.

Was den Plan trägt:

  • Fokusblöcke am Stück: Zwei Blöcke à 120 Minuten liegen dort, wo keine Termine stören. Der erste beginnt vor dem Jour fixe, damit der aktuelle Terminplan in die Besprechung geht.
  • Kommunikation gebündelt: E-Mails und Rückrufe laufen in zwei festen Blöcken mit zusammen 90 Minuten. Außerhalb davon bleibt das Postfach zu.
  • Puffer direkt nach Blöcken mit Überhang-Risiko: Nach dem ersten Fokusblock und nach der Begehung liegen je 15 Minuten.
  • Planung am Anfang und am Ende: Die letzten 30 Minuten bereiten den nächsten Tag vor, so wie Newport es beschreibt.

Wie erstelle ich einen Time-Blocking-Plan?

Sie erstellen einen Time-Blocking-Plan, indem Sie feste Termine eintragen, die Aufgaben mit der größten Wirkung in Fokusblöcke legen und Kleinkram in gebündelte Blöcke packen. Planen Sie am Vorabend und passen Sie den Plan an, sobald der Tag sich ändert.

  1. Feste Termine eintragen: Besprechungen, Baustellentermine und Abgaben stehen zuerst im Kalender.
  2. Wichtigste Aufgaben auswählen: Welche ein oder zwei Aufgaben bringen das Projekt heute am weitesten? Hilfe bei der Auswahl geben die Eisenhower-Matrix und das Pareto-Prinzip.
  3. Fokusblöcke reservieren: Planen Sie längere Blöcke am Stück in den ruhigsten Stunden Ihres Tages, im Beispiel zweimal 120 Minuten.
  4. Kleinkram bündeln: E-Mails, Rückrufe und Verwaltung bekommen eigene Blöcke.
  5. Puffer und Pausen einplanen: Legen Sie Puffer hinter Blöcke, deren Dauer schwer zu schätzen ist.
  6. Abends neu planen: Verschieben Sie, was liegen geblieben ist, und bauen Sie den Plan für den nächsten Tag.

Welche Varianten von Time Blocking gibt es?

Die drei bekanntesten Varianten von Time Blocking sind Task Batching, Day Theming und Timeboxing. Sie unterscheiden sich darin, was ein Block bündelt: gleichartige Aufgaben, einen ganzen Tag pro Thema oder ein festes Zeitlimit für eine einzelne Aufgabe.

Variante Was der Block festlegt Beispiel aus dem Projektalltag
Task Batching Gleichartige kleine Aufgaben in einem Block Alle Rückrufe an Fachplaner von 11:00 bis 12:00 Uhr
Day Theming Ein Thema für einen ganzen Tag Montag Planung und Ausschreibung, Donnerstag Baustelle
Timeboxing Ein festes Zeitlimit für eine Aufgabe Angebotsvergleich in maximal 45 Minuten, dann Entscheidung

Time Blocking vs. Timeboxing: Was ist der Unterschied?

Time Blocking legt fest, wann Sie an etwas arbeiten. Timeboxing legt fest, wie lange eine Aufgabe höchstens dauern darf: Ist die Zeit um, endet die Arbeit, und Sie bewerten das Ergebnis. Beide Methoden lassen sich kombinieren.

Im Projektmanagement kennen Sie Timeboxing aus Scrum. Der Scrum Guide 2020 legt Sprints als Ereignisse mit fester Länge von einem Monat oder weniger fest, das Daily Scrum dauert 15 Minuten. Mehr dazu im Glossar unter Sprint.

Time Blocking Timeboxing
Leitfrage Wann arbeite ich woran? Wie lange darf es dauern?
Einheit Kalenderblock mit Uhrzeit Zeitlimit für eine Aufgabe oder ein Ereignis
Ende des Blocks Aufgabe wandert in den nächsten freien Block Arbeit endet, Ergebnis wird bewertet
Typischer Einsatz Persönliche Tagesplanung Besprechungen, Sprints, Entscheidungen

Ist Time Blocking effektiv?

Time Blocking ist dann effektiv, wenn Sie Ihre Zeitschätzungen realistisch halten und den Plan bei Störungen anpassen. Kontrollierte Studien zu Time Blocking selbst haben wir nicht gefunden; zwei gut belegte Forschungsergebnisse stützen aber den Mechanismus.

  • Konkrete Pläne wirken: Eine Metaanalyse von Peter Gollwitzer und Paschal Sheeran über 94 unabhängige Tests zeigt für Wenn-dann-Pläne mit festgelegtem Wann und Wo einen mittleren bis großen Effekt auf die Zielerreichung (d = 0,65) (Gollwitzer und Sheeran, 2006). Ein Zeitblock ist ein solcher Plan.
  • Schätzungen sind zu optimistisch: In einer Studie von Roger Buehler und Kollegen schätzten 37 Studierende, ihre Abschlussarbeit in 33,9 Tagen fertigzustellen. Tatsächlich brauchten sie 55,5 Tage, nur 29,7 % schafften es in der geschätzten Zeit (Buehler, Griffin und Ross, 1994). Deshalb gehören Puffer in jeden Blockplan.

Newport selbst schätzt, dass eine 40-Stunden-Woche mit Time Blocking so viel Ergebnis bringt wie 60 Stunden ohne Struktur. Für diese Zahl nennt er keine Daten; sie ist seine persönliche Erfahrung.

Welche Vor- und Nachteile hat Time Blocking?

Time Blocking schützt Zeit für konzentrierte Arbeit und macht sichtbar, ob Ihr Tag die geplanten Aufgaben überhaupt hergibt. Der Preis ist Planungsaufwand und weniger Spielraum für Spontanes.

Vorteile Nachteile
Geschützte Zeit für konzentrierte Arbeit Starre Planung lässt wenig Raum für spontane Anfragen
Weniger Kontextwechsel durch gebündelte Kleinaufgaben Zu optimistische Schätzungen erzeugen Druck
Realistischer Blick auf die verfügbare Zeit Abends 10 bis 20 Minuten Planungsaufwand
Weniger Aufschieben, weil jede Aufgabe einen Termin hat Schwer umsetzbar, wenn andere Ihren Kalender füllen

Tipps gegen die Nachteile: Halten Sie Puffer frei, im Beispiel 30 Minuten pro Tag, und erhöhen Sie ihn, wenn Blöcke regelmäßig überlaufen. Kündigen Sie Fokusblöcke im Team an, zum Beispiel als Termin im gemeinsamen Kalender. Wer lieber mit Karten als mit Uhrzeiten arbeitet, findet im persönlichen Kanban eine Alternative.

Wie unterstützt Merlin Project Time Blocking?

Merlin Project plant Projektarbeit nur in die Arbeitszeiten, die Sie für eine Ressource hinterlegen. Tragen Sie die Fokusblöcke einer Person als Arbeitsintervalle in ihren Ressourcenkalender ein, rechnet der Projektplan mit genau den Stunden, die Time Blocking für Projektarbeit frei hält.

So richten Sie es ein:

  1. Ressource wählen: Wählen Sie in der Ressourcenansicht die Projektleiterin aus und öffnen Sie im Inspektor den Reiter Kalender.
  2. Arbeitsintervalle setzen: Unter Ergänzung für Ressource legen Sie im Bereich Reguläre Woche für jeden Wochentag die Arbeitsintervalle fest, im Beispiel 08:00 bis 10:00 und 14:00 bis 16:00 Uhr. Merlin zeigt die Summe an, hier 4 Stunden.
  3. Auslastung prüfen: Weisen Sie der Projektleiterin Vorgänge zu. Übersteigt die Arbeit ihre Fokusstunden, stuft die Spalte Status der Ressourcenansicht sie als Überlastet ein.

Die Blöcke selbst verwalten Sie weiter in Ihrem Kalender. Merlin sorgt dafür, dass Endtermine im Projektplan auf den Stunden beruhen, die Ihre Fokusblöcke tatsächlich hergeben. Was ein Ressourcenkalender leistet, erklärt unser Glossar.

Ressourcen-Inspektor, Reiter Kalender, mit Basiert auf Projektkalender, Ergänzung für Ressource, Reguläre Woche und Arbeitsintervallen von 8 bis 12 und 13 bis 17 Uhr

Fokusblöcke als Arbeitsintervalle

Im Reiter Kalender des Ressourcen-Inspektors ziehen Sie die Arbeitsintervalle für jeden Wochentag auf der Stundenleiste auf. Ausnahmen wie Urlaub oder Schulungstage tragen Sie im Bereich Ausnahmen ein. Schritt für Schritt zeigt das die Lektion Ressourcen in Merlin Project, Teilzeitmodelle erklärt der Beitrag Ressourcen in Voll- und Teilzeit.


Haben Sie Fragen zu diesem Blogartikel oder möchten darüber diskutieren, freuen wir uns auf Ihren Beitrag bei uns im Forum.

Häufige Fragen

Was bedeutet Time Blocking auf Deutsch?

Time Blocking heißt wörtlich „Zeit blockieren“. Gemeint ist die Planung des Arbeitstags in feste Zeitblöcke, denen Sie jeweils eine Aufgabe oder Aufgabenart zuweisen.

Wie lang sollte ein Zeitblock sein?

Eine feste Vorgabe gibt es nicht. Cal Newport plant mit zwei Zeilen pro Stunde, also in halbstündigen Schritten. Im Beispiel dieses Artikels dauern die Fokusblöcke 120 Minuten und die Kommunikationsblöcke 30 bis 60 Minuten. Passen Sie die Länge an, sobald Sie sehen, welche Blöcke regelmäßig überlaufen.

Ist Time Blocking effektiv?

Time Blocking wirkt, wenn Ihre Zeitschätzungen realistisch sind und Sie Puffer einplanen. Die Forschung zu konkreten Wann-und-Wo-Plänen zeigt einen mittleren bis großen Effekt auf die Zielerreichung (d = 0,65 über 94 Tests). Gleichzeitig unterschätzen Menschen ihren Zeitbedarf deutlich, deshalb gehören Puffer in jeden Plan.

Was ist der Unterschied zwischen Time Blocking und Timeboxing?

Time Blocking legt fest, wann Sie an einer Aufgabe arbeiten. Timeboxing legt fest, wie lange eine Aufgabe höchstens dauern darf. Ist die Timebox abgelaufen, endet die Arbeit und Sie bewerten das Ergebnis.

Welche Tools eignen sich für Time Blocking?

Für den persönlichen Tagesplan reicht ein Kalender, digital oder auf Papier. Für die Projektplanung tragen Sie Ihre Fokusblöcke in Merlin Project als Arbeitsintervalle in den Ressourcenkalender ein, damit Termine und Auslastung mit der tatsächlich verfügbaren Zeit rechnen.

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