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40 Jahre Macintosh
(m)ein persönlicher Rückblick

Es wieder soweit. Der Apple Macintosh hat mal wieder Geburtstag. Mittlerweile ist das der 40. Geburtstag – ein besonderes Jubiläum. Ich mag es gar nicht zugeben, aber die meiste Zeit habe ich in der Geschichte irgendwie den Rechner benutzt, oder eben auch nicht. Aber lesen Sie selbst.

Vor dem Macintosh

Anzeige Welcome IBM

Nach den bahnbrechenden Basteleien von Steve Wozniak, die 1976 von und als Apple Computer vorgestellt wurden, verkaufte Apple seit 1977 den Apple II sehr erfolgreich. Die zweite Version, den Apple II+, wurde veröffentlicht, als 1981 die Firma IBM ihren PC vorstellte. Mit mehr als einem Augenzwinkern begrüßte Apple den vormaligen Schreibmaschienen-Hersteller mit einer ganzseitigen Anzeige.

Aber zu dem Zeitpunkt war ein wichtiger Schritt bereits getan: Steve Jobs besuchte schon 1979 mit einem Team erstmals das Xerox Palo Alto Research Center (PARC) und fand besonders an einer Idee Gefallen: Die Bedienung einer grafische Oberfläche mit der Maus.

Es sollte aber noch vier Jahre dauern bis dann 1983 die Lisa als Computer mit Mausbedienung erschien. Obwohl bahnbrechende Funktionen wie das grafische Interface und die Möglichkeit des Drag & Drop angeboten wurden, blieb sie aufgrund ihres hohen Preises von über 10.000 DM kommerziell erfolglos.

Die Ursprünge des Apple Macintosh

Apple Macintosh Werbespot 1984

Steve Jobs, dem nachgesagt wurde, dass er die Lust an der Lisa verloren hatte, wechselte 1981 in das Macintosh-Projekt von Jef Raskin. Dessen Ziel war es, einen erschwinglichen und benutzerfreundlichen Computer für die breite Masse zu entwickeln. Jobs drückte dem Team und der Projektausrichtung sofort seinen Stempel auf, was schließlich in dem Bruch zwischen Jobs und Raskin endete.

Nach einigen Verzögerungen war es 1984 endlich soweit und Apple präsentierte zum Super Bowl seinen mehrfach ausgezeichneten Werbespot, der auch heute noch ein Meilenstein der Werbegeschichte ist.

Am 24. Januar 1984 erschien dann den allererste Apple Macintosh, der rückblickend als Macintosh 128K bekannt wurde. Dieses Ereignis markierte den Beginn einer Ära, die die Welt der Personalcomputer revolutionieren sollte. Steve Jobs selbst sagte über den Mac:

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Ein Teil dessen, was den Macintosh so großartig machte, war, dass die Leute, die daran arbeiteten, Musiker, Dichter, Künstler, Zoologen und Historiker waren, die zufällig auch die besten Informatiker der Welt waren."

Ich erinnere mich – es muss so 1985 gewesen sein – dass ich meine Nase an dem Schaufenster eines Münsteraner Büromaschinen-Händlers platt gedrückt habe. Dort stand ein Macintosh und spielte in Dauerschleife irgendwelche Bilder ab. Das Preisschild zeiget einen Betrag von weit über 7.000 DM – für mich unerreichbar! Trotzdem versuchte ich so oft wie möglich mit diesem Gerät herumzuspielen. Das hatten natürlich die Verkäufer in dem Laden schnell verstanden und jagten mich immer wieder schnell aus dem Geschäft. Zu der Zeit vergnügte ich mich oft in einem der ansässigen Kaufhäuser und tippte auf den ausgestellten Heimcomputern Endlosschleifen in BASIC ein.

Frühe Erfolge

Macintosh SE

Nach seiner Einführung erhielt der erste Macintosh viel Lob von der Presse, aber die anfänglichen Verkaufszahlen nahmen schnell ab. Die limitierte Hardware, bestehend aus 128 KB RAM und einem Diskettenlaufwerk, stellte die größte Herausforderung dar. Apple erweiterte die Mac-Reihe kontinuierlich. Der Macintosh 512K, der Macintosh Plus und der Macintosh SE brachten Verbesserungen in Bezug auf Speicher und Konnektivität. Der Macintosh II ermöglichte erstmals die Darstellung von Farbbildern.

Es folgten interne Machtkämpfe bei Apple, die damit endeten, dass Steve Jobs 1985 die Firma verließ. Und sein selbst gewählter Geschäftsführer John Sculley wurde sein größter Kritiker:

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Der Mac konnte einfach nicht viel: wir hatten Mac Paint und Mac Write als einzige Anwendungen, und der Markt hatte das schon gemerkt. Am Ende des Jahres sagten die Leute: vielleicht ist der IBM-PC nicht so einfach zu benutzen oder so attraktiv wie der Macintosh. Aber er macht etwas, was wir gerne tun wollen – Tabellenkalkulation, Textverarbeitung, Datenbank. Wir sahen die Umsatzzahlen für den Mac Ende 1984 runtergehen, und das wurde ein Problem im folgenden Jahr.“

Durch sehr viel Glück kam ich 1988 plötzlich an einen Mac. Einen Macintosh SE um genau zu sein. In Münster machte eine Druckerei pleite und der Konkursverwalter hatte keine Ahnung von dem Gerät. Durch Umwege wurde er mir für 100 Mark angeboten. Wohl auch, weil der Mensch seine Probleme hatte, ihn mangels der Startdisk (die damals noch zwingend nötig war) ans Laufen zu bringen. Dieser Macintosh SE war dann meine Eintrittskarte in diverse Gemeinschaften, wie der Maus Münster und auch dem CCC. Wir haben viel experimentiert…

Problemjahre

In den 90er-Jahren versuchte Apple, mit einer fast unüberschaubaren Modellpalette einen Computer für jeden Geschmack zu bauen. Es gab kaum noch jemanden, der die Aufteilung in Performa, LC, Classic, Quadra oder Centris verstand – von den mobilen Geräten ganz zu schweigen.

Ab 1994 sollte durch die Lizenzierung von Macintosh OS an Dritthersteller der Marktanteil erhöht werden, was jedoch letztendlich zu geringeren Gewinnen führte. Die Lizenzgebühr von 50 US Dollar war einfach zu gering; denn die eigenen Hardware-Verkäufe wurden mehr kannibalisiert, als dass die eigenen Umsätze erhöht wurden.

Ein Lichtblick war die Zusammenarbeit von Apple mit IBM und Motorola, kurz AIM. Mit der Einführung der PowerPC 601-Chips gelang eine Pionierleistung in der Geschwindigkeit. 1999 war damit auch das Jahr, wo das erste Mal PowerMac am Gehäuse stand. Der Begriff „Macintosh“ wurde fallen gelassen. Aber die Geschwindigkeit des Computers war nicht die einzige Baustelle.

Gleichzeitig zeigte sich, dass das klassische Mac OS veraltet war. Trotz mehrerer Versuche, eine moderne Alternative zu entwickeln, scheiterte Apple zunächst daran. Viele erinnern sich nicht gerne an die Zeit mit Copland. Ich erinnere mich an einen frühen Vortrag von mir:

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Schon immer gab Apple seinen Projekten Codenamen. Die alten MacBooks hatten Straßennamen und hießen Lombard oder Wallstreet. Die System-Software benannte man nach Komponisten wie Mozart oder Beethoven. Mit Copland wollte man den Neuanfang deutlich machen und wählte Aaron Copland als Namensgeber. Mit Mac OS X waren dann Raubkatzen an der Reihe und heute sind gerade schöne Landstriche die Namen der Wahl.“

Mit den Problemen bei Apple ging ein Preisverfall der Computer einher – und das war meine Chance. In kurzer Folge konnte ich mir erst ein Performa 630 leisten, der mir quasi auf der Hobbytronic in Dortmund hinterher geworfen wurde. Später kam noch ein PowerBook G3 Wallstreet hinzu. Mein alter Macintosh SE wurde durch ein Upgrade-Angebot zu einem SE/30 mit 20MB Festplatte. Darauf machte ich meine ersten Erfahrungen mit dem Apple Unix A/UX.

Apple übernimmt NeXT

Apple und NeXT fusionieren

Einen Paukenschlag gab es im Dezember 1996. Apple übernahm die Firma NeXT. So bekam Apple nicht nur ein modernes und UNIX-basiertes Betriebssystem, sondern auch Steve Jobs zurück. Jobs startete einen umfassenden Umbau der Firma. Das Board wurde enlassen und Gil Amelio, der damalige CEO, trat zurück. Steve Jobs wurde interims CEO, kurz iCEO. In einem Vortrag sprach ich:

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Gerne wird in diesem Zusammenhang auch der zweite möglichen Kaufkandidat Be Inc. mit ihrem BeOS genannt. Diese Firma hätte Apple für deutlich weniger Geld kaufen können – für 275 Mio Dollar, anstelle der 429 Mio. Dollar für NeXT. Aber Be konnte das Rennen nicht machen, weil die Betriebssystem-Landschaft zu der Zeit eine ganz besondere war. Auf der einen Seite gab es MS-DOS mit dem (damals noch) grafischen Aufsatz Windows. Aber viel größer war zu der Zeit die UNIX-Bewegung. Sehr viele Firmen hatten ein eigenes Derivat vom AT&T UNIX. So auch NeXTStep mit seinem Mach Kernel, was ein Derivat vom BSD UNIX war. BeOS war dagegen ein eigenes proprietäres – wenn auch sehr offenes – System. Und das war für Apple natürlich ein Problem. Schließlich war man ja gerade mit einem proprietären System gegen die Wand gefahren. Ausserdem schickte ein gewisser Linus Torvalds seit 1991 regelmäßig Nachrichten über seine Entwicklungen namens Linux an die Welt.“

Ausgelöst durch die ersten Erfahrungen mit A/UX wurde ich voll vom Unix & Linux-Fieber erfasst. Meine Erfahrungen machte ich auf einem alten 386er PC mit einer 0.9er Version von Linux. Es müssen wohl 20 Disketten für die Installation gewesen sein. Trotzdem stand immer ein Macintosh auf meinem Schreibtisch. Dieser wurde für die Arbeit verwendet; der Linux-PC war zum lernen.

Mac OS X, OS X & macOS

In den Jahren nach der Übernahme – oder war es mehr ein Zusammenschluss – baute das Entwicklungsteam von Apple gemeinsam mit den führenden Köpfen von NeXT das Betriebssystem in etwas ganz Neues um. Auch wenn die ersten Versionen vom Mac OS X noch sehr zäh zu bedienen waren, zeigte sich schnell das dahinter liegende Potential. Im Laufe der Jahre und der Versionen wurde das OS X (wie es vor der Umbenennung in macOS hieß) immer besser. Als Steve Jobs damals die neue Oberfläche präsentierte, schwärmte er:

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Wir haben für Aqua die Tasten auf dem Bildschirm so schön gestaltet, dass man sie ablecken möchte.“

Nun ja, ganz so weit reichte sein Reality Distortion Field dann doch nicht bei mir. Ich war 2000 in einem großen Konzern gefangen und musste mit Windows arbeiten. Zwei Fakten, die mir missfielen und in 2002 zum Start der ProjectWizards bewogen. Aber vorher musste noch der Loveletter-Virus passieren; der ausschlaggebende Punkt, warum wir mit dem Mac arbeiten. Aber hier beginnt eine ganz andere Geschichte, die später in diesem Jahr ebenfalls ein Jubiläum hat.

Jubiläums-Mac

Zugegeben, Apple hat es 1997 schon einmal mit dem 20th Anniversary Macintosh versucht. Auf Basis des PowerPC und in einem ganz besonderen Design, glänzte er – wohl hauptsächlich durch den hohen Preis von knapp 10.000 DM – durch Erfolglosigkeit.

Trotzdem verdichten sich die Gerüchte, dass Apple zur Feier des 40. Jubiläums wieder eine Sonderauflage herausbringen wird. Es soll ein MacBook Pro werden. Diese Sonderedition soll nicht nur technologisch fortschrittlich, sondern auch an den ursprünglichen Macintosh erinnern. Ob das nur die Farbe des Gehäuses sein wird, oder etwas anderes; wir werden es am 24. Januar 2024 erfahren und ich werde an dieser Stelle berichten.

Aktualisierung am 24.1.2024: Apple hat keine Sonderauflage als Jubiläums-Mac herausgegeben. Schade eigenlich…

Mein Fazit

Vier Jahrzehnte nach seiner Einführung ist der Macintosh nach wie vor, ein wichtiger Bestandteil des Apple-Portfolios. Von seinen Anfängen als Pionier der grafischen Benutzeroberflächen bis hin zu den heutigen leistungsstarken, auf Apple Silicon basierenden Modellen hat der Macintosh eine beeindruckende Entwicklung durchlaufen. Das Mac OS X liefert die Basis für das iPhone und das iPad.

Sein Einfluss auf die Welt der Personalcomputer ist unbestritten und wird auch in Zukunft Bestand haben – nicht nur bei ProjectWizards.

Geschrieben von Frank Blome am 18.01.2024 unter Interna
Tags: geschichte macintosh

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