Richard Joerges am 3. August 2009
Wer bei dem Begriff “Agil” lediglich an Scrum oder XP denkt, verpasst die anderen Vertreter des agilen Projektmanagements. Es gibt da beispielsweise auch noch Lean, FDD, Crystal, AUP und DSDM. Zugegeben, die anderen Methoden spielen heutzutage kaum noch eine wichtige Rolle. Dennoch, der zweiteilige Beitrag A Practical Guide to Seven Agile Methodologies (Teil 2) des Software-Entwicklers Rod Coffin gibt einen sehr guten und aus der Entwickler-Praxis stammenden Überblick. Durchaus auch historisch gesehen sehr interessant.
Richard Joerges am 10. Juli 2009
Kann man agile Methoden auch dann anwenden, wenn die Teams über den halben Weltball verstreut sind? Mit anderen Worten: Passen eine dezentrale Organisation und Scrum (und XP) zusammen? Aber ja, sagt der Scrum-Erfinder Jeff Sutherland. Zusammen mit Guido Schoonheim, CTO bei Xebia zeigt er wie das geht. Nicht verschwiegen sei dabei, dass es zu diesem Ansatz auch kritische Stimmen gibt.
Wie dem auch sei, die Präsentation der beiden ist optimal für das Web umgesetzt. Auf der zugehörigen Site sieht man nicht nur das Video mit den Sprechern, sondern auch die Präsentationsfolien. Letztere laufen synchron zum Film, herumklicken ist also sinnlos.
Tags: Agiles Projektmanagement, Präsentation, Scrum, Scrum-Alliance, XP
Richard Joerges am 31. März 2009
Langsam aber sich wächst zusammen, was zusammen gehört: Traditionelles Projektmanagement und agile Techniken nähern sich an. Genauer gesagt deren Organe, also die PMI und die Scrum-Alliance. So gab es unlängst auf dem Scrum Gathering in Orlando hohen Besuch von der PMI. Deren Chef Gregory Balestrero hielt dort nämlich höchstpersönlich die Keynote. Denn er ist neuerdings schwer begeistert von agilen Techniken.
Das Pikante daran ist, dass nicht alle Scrum-Anhänger von dieser Umarmung genauso begeistert sind. Beispielsweise Tobias Mayer, der in in seinem Blog schrieb: „Gregory Balestreros langerwartete Keynote-Ansprache auf dem Scrum Gathering war eine Art Anti-Höhepunkt. Sie war unverfänglich, generisch und bot weder Widerstand gegen, noch Unterstützung für Scrum über die übliche Lasst-uns-zusammen-arbeiten-Rhetorik hinaus.“
Aber selbst von solcher Kritik lässt sich der PMI-Chef nicht aus der Bahn werfen. Auf seinem Blog ist er von Mayer total begeistert und meint, es sei eine längst überfällige Konversation im Gange. Da hat er nun auch wieder Recht.
Nun berichtet Kollege Andreas Heilwagen, dass es im zweiten Quartal dieses Jahres ein PMI Agile Forum geben soll. Es passiert also tatsächlich etwas. Aber ob es das Richtige ist? Keine Frage: “Traditionelles” Projektmanagement hat seine Berechtigung. Genauso agile Techniken wie Scrum oder XP. Aber man sollte sie meiner Meinung nach nicht vermengen und dadurch aufweichen. Vielmehr sollte man gemeinsame “Schnittstellen” schaffen, damit beide Arten des Projektmanagements problemlos und transparent nebeneinander existieren können. Auch innerhalb eines Projektes.
Tags: Agiles Projektmanagement, Methoden, PMI, Scrum, Scrum-Alliance, XP
Bärbel de Bouvier am 24. März 2009
Heute bin ich über eine schöne Video-Präsentation von Henrik Kniberg gestolpert. Henrik ist Schwede und Coach für agile und schlanke Softwareentwicklung. Auf der Java-Konferenz Jfokus 2008 hat er einen sehens- und hörenswerten Vortrag mit dem viel sagenden Titel “10 ways to screw up with despite Scrum and XP” gehalten. Ein unterhaltsames und lehrreiches Video für alle, die sich für agile Methoden interessieren.
Tags: Agiles Projektmanagement, Konferenz, Präsentation, Scrum, Video, XP
Richard Joerges am 17. März 2009
Es gibt zig Projektmanagement-Methoden. Von PMBOK über Prince2 bis hin zu Scrum und Extreme Programming und wie sie noch alle heissen mögen. Wer sich auf die Schnelle einen Überblick verschaffen möchte, dem hilft die unten stehende Präsentation. Zwar bezieht sie sich explizit auf Software-Entwicklung, doch die Kurzbeschreibungen sind allgemein gültig. Die Präsentation basiert übrigens auf einem Blogpost von Jurgen Appelo, in dem er die Methoden schon einmal beschrieben hat.
Wer es etwas genauer wissen möchte: Auf der Website von Marius Alexandrou gibt es etwas ausführlichere Beschreibungen.
Tags: Agiles Projektmanagement, Methoden, PMBOK, Scrum, XP
Richard Joerges am 9. März 2009
Wie versprochen, kommt hier das Interview mit Dave Prior. Es geht um Projektmanagement im Allgemeinen, agile Methoden wie Scrum und XP im Besonderen, um Twitter für Projektmanager und natürlich um Projektmanagement mit dem Mac.
MacPM: Hallo Dave, was sind denn Ihrer Meinung nach die Vorteile von Scrum?
Dave Prior: Scrum ist ein gute Alternative zum traditionellen „Wasserfall“-Ansatz. Ich finde es funktioniert am besten bei Projekten die mit großen Risiken behaftet sind, die irgendwie in der Krise stecken oder wirklich heftige, sprich unmögliche, Deadlines haben. Es ist eine gute Möglichkeit den Kunden zu involvieren und sehr schnell eine Historie von Erfolgen aufzubauen, die wiederum das Vertrauen festigen. Auf den ersten Blick scheint es sehr einfach und simpel zu sein, es erfordert jedoch jede Menge Disziplin. In letzter Zeit habe ich Scrum und PMBOK häufig gemischt. Ich nutze Scrum mit dem Entwicklerteam, so dass es schnell vorankommt und sich auf das Programmieren konzentrieren kann. Die Ergebnisse der Scrum-Prozesse packe ich dann in PMBOK-orientierte Berichte für das eher traditionell denkende Management.
MacPM: Und was halten Sie von Extreme Programming (XP)?
Dave Prior: Scrum und XP lasen sich gut zusammen verwenden. Ich tendiere dazu bestimmte XP-Aspekte mit Scrum zu mischen und finde das recht hilfreich. Eines, was ich über beide Methoden gelernt habe ist, dass man eine hohe Disziplin aufrecht erhalten muss um brauchbare Ergebnisse zu erzielen. Ich würde ausserdem jedem der eine der beiden Methoden einführen möchte empfehlen jemanden zu engagieren, der Erfahrung mit der Implementierung und dem Einsatz einer der beiden Ansätze hat. Ich habe bei beiden Methoden schon soviel Murks gesehen. Verursacht durch Leute, die ein halbes Buch gelesen haben, davon dann wiederum nur die Hälfte umgesetzt haben und das Ergebnis dann Agil genannt haben.
MacPM: Was ist denn Ihr Rat für Leute, die Projektmanager werden wollen?
Dave Prior: Suchen Sie sofort professionellen Beistand! Nein, das war nur Spaß. Ich glaube nicht, dass das ein Beruf ist, den jemand anstrebt. Niemand wächst auf und möchte Projektmanager werden. Das ist ein Beruf, der von selbst die Leute findet, die aus dem einen oder anderen Grund dafür empfänglich sind. Ich mag was ich tue und glaube, dass ich darin recht gut bin. Aber es ist nicht etwas, was ich werden wollte.
Tags: Agiles Projektmanagement, BMBOK, Scrum, XP
Richard Joerges am 2. März 2009
Vor einigen Tagen hatte ich die Gelegenheit mit Dave Prior zu sprechen. Sie werden sich sicherlich fragen wer das ist und warum Sie ihn kennen sollten. Nun, Dave ist zunächst einmal seit gut 15 Jahren Projektmanager. Darüber hinaus arbeitet er seit 2002 für die PMI und ist seit 2003 im Vorstand der IT&T SIG. 2008 hatte er dort den Vorstandsvorsitz und leistet nun seinen Dienst als Ehrenvorsitzender ab. Sein primärer Fokus als Vorstands kreiste um die Idee – und tut das immer noch – dass Projektmanager in der Technologiebranche vielfältige Kenntnisse und Fähigkeit in vielen Disziplinen besitzen müssen, um wirklich ein rundes Management von Projekten leisten zu können.
In seiner persönlich Praxis vertraut der aktive Zen-Buddist auf zwei Dinge als primäre Basis seiner Arbeit: Das PMBOK und Sun Tsu’s Über die Kunst des Krieges. Er hat einen MBA der Universität von Texas des Dallas Executive Project Management Programms und hat acht Jahre lang Projektmanagement in den USA, Kuala Lumpur, Dubai, Deutschland, Schweden, Trinidad, Polen und Kairo gelehrt.
Dave ist ausserdem so zu sagen das Verbindungsglied zwischen dem eher traditionellen Anspruch an das Projektmanagement und agilen Techniken wie Scrum und XP. Es war nicht Liebe auf den ersten Blick: „Ich habe damit vor rund zehn Jahren begonnen, war aber lange Zeit nicht wirklich ein Fan der agilen Arbeitsweise. Das kam erst, als ich an ein paar Projekten und in Organisationen arbeiten durfte, die derart change-orientiert waren, dass die im PMBOK definierten Verfahren dem in keinster Weise genügten. Dabei habe ich erkannt, dass agile Verfahren das Mass der Dinge sind“.
Nach dieser Erfahrung wurde Dave vor rund zweieinhalb Jahren zertifizierter Scrum-Master und arbeitet als ebensolcher seit rund sechs Monaten. Bei seiner jetzigen Arbeit vertraut er überwiegend auf Scrum, aber auch auf Praktiken aus dem PMBOK: „Ich finde, dass sich die beiden Verfahren gut ergänzen und für eine vollständig transparente Arbeitsweise sorgen. Für die Entwickler heisst das, sie können nach einem leichtgewichtigen Verfahren arbeiten, das ihre Zeit für die Programmierung maximiert. Ich hingegen kann dabei Elemente aus dem PMBOK für die Dokumentation, das Reporting und die Interaktion mit dem oberen Management verwenden. Zumal die sich mit einem eher traditionellen Projektmanagement-Anspruch wohler fühlen“.
Tags: Agiles Projektmanagement, IT&T SIG, PMBOG, Scrum, XP
Richard Joerges am 18. Februar 2009
Wer wissen will, wie gut sein agiles Projektmanagement ist, findet jetzt auf der Website abetterteam.org ein interessantes Kontrollinstrument. Gedacht ist die Site speziell für Teams, die nach der Extreme Programming Methode (XP) arbeiten. Man muss ein Set von insgesamt 50 Fragen beantworten und erhält dann eine Einschätzung wie hoch das Risiko des Scheiterns ist. Ausserdem gibt es Tipps wo Verbesserungen notwendig sind. Die Site funktioniert, ohne dass man sich dort einloggen muss. Wer seine Fortschritte verfolgen will, kann sich auch mit seinem Google-Account einloggen.
Tags: Agiles Projektmanagement, Methoden, XP
Richard Joerges am 11. Februar 2009
Unter den enlischsprachigen Bloggern, die sich mit agilem Projektmanagement beschäftigen, tobt grade eine heisse Diskussion. Alles in allem geht es darum, wie agil die Agilisten sind, ob man päpstlicher als der Pabst sein muss und ob Scrum nur dann funktioniert, wenn es zusammen mit Extreme Programming (XP) eingesetzt wird. Ich finde das alles sehr spannend, weil es letztendlich darum geht, den schmalen Grad zwischen Ordnung und Chaos im Projektmanagement zu beschreiten. Und genau darum dreht es sich ja bei den agilen Techniken.
Besonders angetan hat es mir dabei der Hinweis von Jurgen Appelo auf die Theorie der Komplexen Adaptiven Systeme. Sinngemäß sagt er, dass solche Systeme in der Biologie, Psychologie, Wirtschaft und anderen Wissenschaften die kreativsten und anpassungsfähigsten und demnach erfolgreichsten sind. Das sei in der Software-Entwicklung nicht anders. Er ist der Meinung, dass Agilität bedeutet, Software-Projekte in den Bereich der Komplexität zu bewegen, genau an die Grenze zwischen Ordnung und Chaos.
Nur zur Information: Komplexität bezeichnet laut Wikipedia „die Eigenschaft eines Systems oder Modells, dass sein Gesamtverhalten nicht beschrieben werden kann, selbst wenn man vollständige Informationen über seine Einzelkomponenten und ihre Wechselwirkungen besitzt.“
Meinungen dazu?
Tags: Agiles Projektmanagement, Methoden, Programmierung, Scrum, XP
Bärbel de Bouvier am 29. Januar 2009
Hallo, hier ist Bärbel, ihre freundliche und fleissige Projektmanagement-Praktikantin. Wie Richard im vorigen Blog-Beitrag schon angekündigt hat, werde ich auf dem MacPM-Blog über meine Lernfortschritte zum Thema Scrum berichten. Und das habe ich heute gelernt:
Herkömmliche Projektmanagement-Prinzipien sind starr und bürokratisch. Deshalb sind sie für flexible und schlecht planbare Prozesse, wie etwa die Software- oder Produktentwicklung, nicht optimal geeignet. Als Reaktion darauf wurden so genannte „agile“ Prinzipien entwickelt. Das Wort agil, im Sinne von flink, beweglich, wendig, etc., spiegelt das Wesentliche dieser Prinzipien wieder.
Ein Epigone des agilen Projektmanagements ist der Software-Entwickler Kent Beck, der 1999 das Buch Extreme Programming herausbrachte. 2001 wurde dann das Agile Software Development Manifest verfasst.
Die Kernthesen lauten:
Mit der Zeit etablierten sich diverse agile Methoden, die häufig von den Unterzeichnern des Manifestes entwickelt wurden. Unter anderem: Extreme Programming (XP), Dynamic Systems Development Method (DSDM), Lean Development, Crystal, Feature-Driven Development (FDD). Die zur Zeit populärste Methode ist aber vermutlich Scrum und darum soll es in diesem und den folgenden Beiträgen gehen.
Scrum bedeutet Gedränge und ist eigentlich ein Begriff auf aus dem Rugby-Sport. Dabei drängen sich mehrere Spieler um den Ball und bewegen sich als geschlossene Einheit in Richtung des gegnerischen Tors. In Zusammenhang mit Projektmanagement tauchte der Begriff erstmals 1986 in einem wissenschaftlichen Artikel von H. Takeuchi und I. Nonaka auf: “The new new Product Development Game“. Dort heißt es: „…a holistic or ‚rugby‘ approach – where a team tries to go the distance as a unit, passing the ball back and forth – may better serve today’s competitive requirements“. Später im Text wird der Begriff dann in einer Überschrift erstmals genannt: „Moving The Scrum Downfiled“.
Entwickelt und etabliert wurde Scrum als Prinzip der agilen Software-Entwicklung von Jeff Sutherland, Ken Schwaber und Mike Beedle. 1996 wurde es auf der OOPSLA Konferenz erstmals in einem Workshop vorgestellt. Damit war der Startschuss gesetzt.
Bis 2001 wurde Scrum von Schwaber und Beedle weiter entwickelt. Die Ergebnisse flossen in das Buch Agile Software Development with Scrum ein. Sutherland beteiligte sich dabei nur im Hintergrund. Mit der ausreichenden Beschreibung von Scrum stand dem anschließenden Siegeszug in der Software-, oder allgemein gesagt, in der Produktentwicklung nichts mehr im Wege.
So, für heute soll es erst mal genug sein – bald mehr…
Salut,
Eure Bärbel
Tags: Agiles Projektmanagement, Extreme Programming, Praktikum, Scrum, XP