Richard Joerges am 8. Dezember 2009
Angesichts der viel beschworenen Zeiten von Enterprise 2.0 darf man sich die Frage stellen, ob E-Mail überhaupt noch ein zeitgemäßes Kommunikationstool ist. Immerhin handelt es sich dabei um eine der ältesten Netz-Anwendungen, die wir kennen. E-Mails rasten schon in den frühen 60er-Jahren durch die ersten Rechner-Netzwerke.
Zurück zum Thema: Ich muss zugeben, dass mich E-Mail nervt. Da wäre zunächst einmal das Spam-Problem. Auf meinem Server habe ich Accounts, auf denen Tag für Tag um die 150 Spam-Mails eingehen. Ja, ich habe Spam-Filter installiert. Aber es bleibt trotzdem das Problem, dass noch viel zu viele ungewollte E-Mails durchrutschen. Schlimmer noch, im Gegenzug bleiben immer wieder Mails, die kein Spam sind im Filter hängen. Das führt dann zu Verwirrungen und Ärger: “Haben Sie meine E-Mail nicht bekommen…?”
Am schlimmsten finde ich aber, dass E-Mail immer wieder für Diskussionen verwendet wird, die mit diesem Tool in Wirklichkeit kaum zu bändigen sind. Sie kennen das: Einer schickt einen Vorschlag per Mail an das ganze Projekt-Team. Garantiert ist einer dabei, der dann einen ganz tollen Beitrag leistet, ihn aber nicht “An alle” sendet. Oder zwei Rezipienten antworten fast zeitgleich und schon hat man das schönste Chaos. Welche Mail ist denn jetzt die aktuellste, auf welche muss ich antworten?
Hinzu kommen die klassischen Benutzerfehler: E-Mails werden in Ordner verschoben und dann vergessen. Gigantisch grosse Anhänge werden herumgeschickt, gerne Powerpoint-Präsentationen mit einer Größe von mehreren MegaByte. Und das Beste ist, irgend jemand schickt garantiert einen Anhang, den die Hälfte des Teams gar nicht öffnen kann, weil sie die entsprechende Applikation nicht haben.
Das interessante ist, das es immer noch keinen Ersatz bzw. Nachfolger für die E-Mail gibt. Sicher, für die Kommunikation mit meinen Freunden und Kollegen nutze ich Direct-Messages in Twitter. Doch das ist eher ein Ersatz für iChat, Skype und ICQ. Und Google-Wave? Nun ja, sicherlich ein interessantes Konzept. Es könnte einige der oben genannten Probleme lösen. Aber es hat sich noch nicht durchgesetzt und wird es vermutlich auch nicht.
Auch Andrew Filew vom Blog Project Management 2.0 hat sich darüber Gedanken gemacht und eine gute Präsentation zu diesem Thema zusammengestellt. Letztendlich wird man wohl um E-Mail auch in Zukunft nicht herumkommen. Ihre größten Vorteile sind nicht von der Hand zu weisen: Akzeptanz und Plattform-Unabhängigkeit.
Hier geht es zur Präsentation: (weiterlesen…)
Tags: Kommunikation, Web 2.0
Richard Joerges am 4. Dezember 2009
In meinem letzten Blog-Beitrag habe ich vorgeschlagen, dass die deutschsprachigen Projektmanagement-Twitterati ein eigenes Hashtag für ihre PM-Tweets verwenden sollten. Zur Wahl habe ich #pmot_de und #pmde gestellt. Robert Wiechmann vom Projekt-Log votiert zu Recht in seinem Kommentar für Letzteres, also #pmde. Ich denke, damit kann man leben, auch wenn mir über Nacht noch eine weitere Lösung eingefallen ist. Warum nicht statt #pmot für “project management on twitter” einfach #pmat nehmen, im Sinne von “Projektmanagement auf Twitter”?
Wie dem auch sei, letztendlich wird sich alles von selbst ergeben und wir werden sehen, was sich durchsetzt. Ich werde erstmal #pmde verwenden. Persönlich fände ich es jedenfalls sehr praktisch, wenn man eine schöne Hashtag-Unterscheidung zwischen englischen und deutschsprachigen PM-Tweets hätte.
Tags: Kommunikation
Richard Joerges am 3. Dezember 2009
Dass Twitter in der Kommunikation mittlerweile eine gewichtige Rolle spielt, dürfte sich herumgesprochen haben. Auch das Merlin-Team twittert: twitter.com/merlinpm. ProjectWizards-Geschäftsführer Frank Blome finden Sie dort ebenfalls, und zwar unter twitter.com/fblome. Meine Wenigkeit schließlich gibt seine Gedanken und twitter.com/rjoerges preis. Auch unseren Freund Stefan Hagen vom Projektmanagemant-Blog finden Sie auf Twitter, nämlich unter twitter.com/stefan_hagen.
Aber es gibt noch wesentlich mehr Projektmanagement auf dem erfolgreichen Microblogging-Dienst. Ich habe deshalb mal das Listen-Feature von Twitter genutzt, um alle mir bekannten, deutschsprachigen Accounts zusammenzustellen, die sich mit Projektmanagement beschäftigen oder von Projektmanagern stammen: twitter.com/rjoerges/projektmanagement.
Eine weitere Anlaufstelle für Projektmanagement auf Twitter ist das Hashtag #pmot (project management on twitter). Hashtags sind Stichwörter oder Markierungen, nach denen Tweets thematisch durchsucht werden können. Das geht am besten mit einem guten Twitterclient oder der Twitter-Suchfunktion. Auf das #pmot-Hashtag haben sich übrigens englischsprachige Projektmanager geeinigt, um so auf ihre Tweets aufmerksam zu machen, die sich mit Themen rund um das Projektmanagement beschäftigen.
Bleibt nur noch eine Frage: Auf welches Hashtag wollen wir uns einigen? Das Tag sollte möglichst kurz und prägnant sein. Für meinen Geschmack ist beispielsweise #pmot_de ein wenig zu lang. Wie wäre es mit #pmde?
Tags: Kommunikation, Tipps
Richard Joerges am 3. November 2009
In meinem letzten Posting habe ich mich kritisch mit der Eignung von Social Media für das Projektmanagement auseindergesetzt. Auf der anderen Seite dürfte bekannt sein, dass ich ein großer Twitterfan bin. Ich liebe diese Art der Kommunikation und halte sie, wie manch anderer auch, durchaus für Projektteams geeignet.
Wenn Ihnen aber Twitter & Co. zu abgehoben sind, könnte eventuell ein anderes, neuartiges Kommunikations-Tool für Sie interessant sein. Ich spreche von Google Wave. Falls Sie dafür noch keinen Account haben (der Dienst ist noch im Experimentalstadium), können Sie hier einen beantragen.
Google Wave können Sie sich als E-Mail und Kollaborationswerkzeug der nächsten Generation vorstellen. Statt einzelner E-Mails gibt es hier so genannte Waves oder Wellen. Diese vereinigen alle zu einem Thema oder Projekt gehörenden Beiträge inkl. hochgeladener Dateien. Es ist schwer zu beschreiben, man muss es einfach mal in einem Team ausprobiert haben. Ich selbst bin jedenfalls ziemlich begeistert.
Eine sehr gute Einleitung zu Wave gibt es übrigens hier. Noch mehr Informationen finden Sie ausserdem im Wiki “The Complete Guide to Google Wave“. Und dann gibt es dann noch diese wunderbare Erklärung auf Youtube:
Tags: Kollaboration, Kommunikation, Web 2.0
Richard Joerges am 18. August 2009
Unser Freund Dave Prior hat für uns schon mal ein Interview gegeben. Wer ihn mal in Wort und Bild erleben möchte, hat jetzt im Project Shrink Podcast von Bas de Baar die Gelegenheit dazu. Es geht dabei um das gerade für Projektmanager wichtige Thema Personal Branding. Das Video-Interview ist zweigeteilt. Im ersten Teil geht es vorwiegend darum, was Personal Branding ist. Im zweiten Teil spricht Dave über die verschiedenen Wege und Methoden.
Tags: Kommunikation, Marketing, Personal Branding, PR, Tipps, Video
Richard Joerges am 6. Juli 2009
Vor Kurzem habe ich hier über die aktuelle CHAOS-Studie berichtet. Sie zeigt, wie viele Software-Projekte scheitern, sagt aber nichts über die Gründe dafür aus. Nun hat Stefan Hagen auf seinem Blog die Ergebnisse seiner Umfrage “Woran scheitern Projekte am häufigsten?” veröffentlicht. Das passt also gut zusammen. Die Ergebnisse von Stefans Umfrage überraschen mich in sofern, als das die Teilnehmer als häufigsten Grund “Mangelhafte Kommunikation” angegeben haben.
Keine Frage! Kommunikation ist nicht gerade die Stärke deutscher Unternehmen. Aber in den Firmen, in denen ich tätig war, sind Projekte eher an “zu optimistischen Annahmen” (Platz 4), “Starrer Organisation, Hierarchie” (Platz 8 ) und vor allem an “überforderten Projektleitern” (Platz 10) – manchmal mich eingeschlossen – gescheitert. Aus dem letzten Punkt ergaben sich dann fast alle anderen Gründe.
Auch jetzt habe ich es gerade mit einem Fall zu tun, bei dem die starre Organisation und Hierarchie Probleme bei der Umsetzung eines Projektes macht. Eitelkeiten und Revierkämpfe und daraus resultierende Kompetenzstreitigkeiten brachten es an den Rand des Scheiterns. Die Lösung für dieses Dilemma – und damit schließt sich der Kreis zu Stefans Ergebnissen – ist verstärkte Kommunikation. Das kostet immens viel Zeit, hat aber immerhin den Vorteil, dass es auffallend viele Geschäftsessen in zumeist sehr guten Restaurants gibt.
Tags: Kommunikation, Projektziele