Richard Joerges am 31. Mai 2011
Es gibt kleine Projekte und es gibt große Projekte. Und dann gibt es Projekte die nie fertig werden und die auch noch riesengroß sind. Facebook zum Beispiel. Ein Projekt, bei dem man denken könnte, dass es angesichts der schieren Größe für dessen Entwickler ein einziger Alptraum sein könnte. Denn immerhin treffen hier zig Millionen Zeilen von Code auf bald 700 Millionen Nutzer. Dazu kommt, dass die mehreren Hundert Facebook-Entwickler Woche für Woche Tausende von Änderungen produzieren.
Wie bändigt man also solch ein Projekt, damit es nicht zu einer Katastrophe kommt? Ganz einfach, durch ein raffiniertes Staging-System, bei dem Änderungen zunächst intern getestet und bewertet werden und dann stückweise an immer mehr Benutzer frei gegeben werden können. Hübscher Nebeneffekt: Dank dieses Verfahrens sind schon sämtliche kommenden Features für die nächsten sechs oder mehr Monate im Facebook-Code verankert. Sie sind einfach nur noch nicht für uns freigeschaltet. Wie es genau funktioniert erzählt Chuch Rossi von Facebooks Release Engeneering Team in diesem Video:
Tags: Agiles Projektmanagement, Facebook, Scrum, Testen
Richard Joerges am 9. Mai 2011
Seit geraumer Zeit ist agiles Projektmanagement auch ausserhalb der Software-Branche hoffähig geworden. Nicht zuletzt, weil auch beispielsweise das PMI diesen “Gegenentwurf” zum hierarchischen Wasserfall-Modell im wahrsten Sinne des Wortes assimiliert hat. Leider wird mit dem Begriff “agile” – wie sollte es anders sein – auch viel Schindluder betrieben. Uns so bekommt so mancher Prozess das Label “agile”, nur weil einzelne Begriffe aus Scrum & Co. entlehnt sind.
Vergessen wird dabei gerne der eigentlich “revolutionäre” Grundgedanke dahinter: “Agile” zu sein bedeutet, dass nicht “die da oben” sagen wo es lang geht, sondern “diejenigen, die die tatsächliche Arbeit leisten”. Die Idee dabei ist, dass die ausführende Basis besser weiß was wie und in welcher Zeit zu leisten ist, als das praxisferne Management in den Führungsetagen.
Was auf den ersten Blick nach “linker Utopie” klingt, ist in Wirklichkeit auch ein gutes Stück kapitalistischer “Darwinismus”, (weiterlesen…)
Richard Joerges am 4. Januar 2011
Eine sehenswerte Video-Reportage des Time-Magazins zeigt einen Tag in der Software-Entwicklungs-Abteilung von Facebook. Los geht es – wie sollte es anders sein – mit dem morgendlichen Scrum-Meeting.
Tags: Agiles Projektmanagement, Scrum, Video
Richard Joerges am 21. Juli 2010
Aufwandsschätzung ist ja so eine Sache. Langwierig, oft einfach nur Makulatur und nicht immer der reinen Lehre vom agilen Projektmanagement entsprechend. Aber egal, jetzt habe ich die endgültige Lösung für die Aufwandsschätzung gefunden. Und zwar im Blog von Stephan Schmidt.
Spaß bei Seite! Das erinnert mich an diverse Experimente, bei denen der Zufall, oder besser gesagt irgendwelche Tiere, die gar nicht verstehen können um was es ging, näher an der Wahrheit dran waren, als hoch bezahlte Fachleute. Zum Beispiel der Affe, der besser spekuliert als Börsenprofis oder den während der Fußball-WM populär gewordenen Kraken Paul. Warum sollte dann die Aufwandsschätzung “ohne Aufwand” nicht genauso genau sein, wie etwa ein Planning-Poker? Eben!
Tags: Agiles Projektmanagement, Aufwandsschätzung, Humor, Planning Poker, Scrum
Richard Joerges am 12. Juli 2010
Mein letzter Blog-Beitrag über den “Anfang vom Ende von Scrum” hat einige bemerkenswerte, meistens zustimmende Reaktionen hevorgerufen. Danke für die vielen, fundierten Wortmeldungen. Besonders interessant finde ich den Kommentar von Dave Prior, dem ProjectWizards-Statthalter in den USA. Er sagt, dass das mit Scrum so ähnlich ist, wie das Entdecken ein tollen Indie-Band, die man nicht mehr so richtig genießen kann, nachdem sie vom Mainstream entdeckt und populär geworden ist. Der Reiz des Besonderen ist weg und dann fangen die Diskussionen und das Infragestellen an (meine Interpretation).
Aber zurück zum agilen Projektmanagement: Mir gefällt Daves Einwand sehr gut, dass ja gerade das tolle an Scrum & Co. ist, dass es eben so viele Diskussionen darum gibt. Zu Recht fragt er, wann beispielsweise das letzte mal über den “kritischen Pfad” im traditionellen Projektmanagement diskutiert wurde? Stimmt! Man kann Dave auf jeden Fall zustimmen, dass Scrum und die anderen agilen Methoden so lange lebendig sind. so lange sie mit solcher Vehemenz diskutiert werden.
Nichts desto trotz bleibe ich bei meiner Meinung, dass man versuchen sollte die Lehre rein zu halten, was keines Wegs heißt, dass man sie nicht weiterentwickeln darf. Im Gegenteil. Nur sollte man die initiale Idee eben nicht verraten.
Klar ist jedenfalls, dass wir an diesem Thema dran bleiben.
Tags: Agiles Projektmanagement, Innovation, Scrum
Richard Joerges am 6. Juli 2010
Boris Gloger, Scrum-Promoter und Berater der ersten Stunde, hat auf seinem Blog einen lesenswerten Beitrag über die (negative) Entwicklung rund um das agile Management bzw. Projektmanagement veröffentlicht. Ich bin auf den Beitrag sofort angesprungen, weil Boris gleich zu Beginn meinen Lieblingsautor in Sachen Wirtschaftbücher zitiert, nämlich Tom Peters. Ich finde dessen Bücher “Re-Imagine” und “The Circle of Innovation” nach wie vor mit das Beste, was es zu diesem Thema auf dem Markt gibt. (Tipp: unbedingt auf Englisch lesen! Deutsch funktionieren diese Bücher nicht.)
Aber zurück zu Scrum: Boris sagt, und da bin seiner Meinung:
Wir haben ein Problem. Scrum wird selbst zum Establishment.
Und weiter:
Was ist passiert, dass plötzlich Mike Cohn in einem seiner letzten Posts schreibt, dass Stundenschätzungen vollkommen in Ordnung seien. Ich meine, wir versuchen seit Jahren von dem Fluch der Aufwandsschätzungen weg zu kommen.
In der Tat, Scrum und Co. scheinen mir auf dem Weg zu sein, ihre Wurzeln zu verraten. Anstatt, dass Unternehmen den Wert dieses wertvollen und vielfach erprobten Tools erkennen und sich darauf – aller Ängste zum Trotz – einlassen, versuchen einige Wortführer Scrum an den Mainstream, sprich die vermeintlichen Bedürfnisse traditionell gesteuerter Unternehmen, anzupassen und es dabei arg zu verbiegen. Dabei ist ja der Witz einer agilen Methode gerade der, dass sich eben nicht jedes Projekt von Anfang an in Zahlen pressen oder penibel planen lässt.
Ich bin der Meinung, dass dieses “Alles planen wollen” genau das ist, woran speziell die deutsche Wirtschaft krankt. Wir haben hier kein Apple, kein Google, kein Facebook, noch nicht einmal eine innovative und damit weltweit erfolgreiche Film-Industrie, weil wir unsere Fachleute nicht einfach machen lassen wollen. Statt dessen wird versucht alles von A bis Z zu planen, mit dem Ergebnis, dass sowohl Innovation, als auch (Produkt-)Emotion auf der Strecke bleiben.
Vollkommen richtig konstatiert Boris:
Scrum ist das einzige mir bekannte Werkzeug, das uns dabei hilft, die humanistischen Ideen darüber, wie Menschen in modernen Organisationen arbeiten sollten, in die Organisationen zu tragen. Scrum ist daran orientiert, worum es geht: Leistung und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.
Womit wir wieder einmal bei einem meiner Lieblings-Themen, nämlich der Motivation gelandet wären.
Tags: Agiles Projektmanagement, Innovation, Scrum
Richard Joerges am 9. Juni 2010
Mit Scrum Kompakt gibt es jetzt eine schön gemachte Anlaufstelle für alle Scrum-Einsteiger. Übersichtlich gestaltet, und versehen mit guten Erklärungen finden alle Scrum-Fans und solche die es werden wollen alle notwendigen Informationen über die am weitesten verbreitete agile Projektmanagement-Methode. Und das Beste: Die Seite ist in komplett auf Deutsch gehalten. Angesichts des Überangebotes an entsprechenden englischsprachigen und Websites ist das sehr lobenswert.
Noch besser: Es gibt auch eine kostenlose iPhone-App (App-Store-Link). Diese zeichnet sich unter anderem durch einen Timer und ein sehr schön gemachtes Planning Poker. Damit sollte die nächste Aufwandsschätzung zum Kinderspiel werden. Und ja, auch in der App gibt es die wichtigsten Scrum-Infos zum Nachschlagen.
Richard Joerges am 17. Mai 2010
Zugegeben, Mitte Mai ist es ein wenig spät um über die Trends im Projektmanagement für 2010 zu sprechen. ProjectSmart tut es dennoch. Das ganze wäre nicht der Rede wert, wenn mir nicht einer der postulierten Trends besonders ins Auge gestochen wäre: “Agile and Lean Processes are Overtaking Waterfall”.
Darauf bin ich aber gespannt. Keine Frage, agile und schlanke Projektmanagement-Methoden sind auf dem Vormarsch, in der Software-Entwicklung sind sie sogar schon defacto Standard. Aber im gesamten Projektmanagement? Wohl kaum!
Ich stelle mir gerade die Heerscharen von Projektverantwortlichen in deutschen mittelständischen Unternehmen vor, wie sie ihren Stakeholdern und Projektteams Iterationen, Userstories, und Kanban-Kärtchen nahe bringen…
Verstehen sie mich nicht falsch. Ich bin ein großer Freund von Scrum, Kanban und Co. Aber ich kenne auch deutsche Unternehmen und ich weiß, wie schwer sie sich mit modernen Management-, Arbeits- und Kommunikations-Methoden tun. Für agiles Projektmanagement dürfte das sogar besonders gelten, bricht es doch mit eingefahrenen Hierarchie-Strukturen. Wo kämen wir hin, wenn rangniedere Team-Mitglieder plötzlich selbst bestimmen dürften, was und wie sie es bewältigen? Aber ich lasse mich gerne überraschen…
Update: Eine schöne Bestätigung meiner Bedenken habe ich heute auf dem Projekt-Log gefunden. Dort wird ein Fall beschrieben, bei dem ein 40-Seitiges! Papier mit dem Titel “Product Backlog Sprint 1″ zum Einsatz kam. Und warum? Weil offenbar der Auftraggeber noch traditionell denkt und deshalb mit einem richtigen (und bei weitem kompakteren) Sprint-Backlog nicht s anfangen kann.
Tags: Agiles Projektmanagement, Kanban, Scrum
Frank Blome am 30. April 2010
Unser neuer Partner in Österreich, PMMAC Projektmanagement Beratung und Entwicklung e.U., hat sich der Verbindung von agilem und klassischem Projektmanagement verschrieben und entwickelt Lösungen vor allem für Unternehmen außerhalb der Softwarebranche, die Scrum in Reinkultur nicht leben können (oder wollen), für die “ScrumBut” aber sehr wohl ein Thema sein kann. Und das ganze am Mac.
PMMAC bietet dazu auch Workshops an, bei denen gemeinsam Umsetzungsstrategien erarbeitet werden, um “ScrumBut” in Unternehmen zu implementieren. Die erste Runde der Workshops findet noch vor der Sommerpause in Berlin, Wien und Zürich statt.
Tags: Agiles Projektmanagement, Berlin, Methoden, Partner, Schulungen, Scrum, Wien, Zürich
Richard Joerges am 21. April 2010
Trotz der 140 Zeichen Beschränkung ist Twitter eine Fundgruppe für Themen rund um das Projektmanagement. So brachte mich gestern ein Tweet von Projektlotse auf eine Diskussion in Xing, die mir wiederum ein vollkommen neues Know-how rund um Scrum und Co, eröffnet hat: Spiele und Übungen, mit deren Hilfe man die Funktionsweise agiler Methoden verdeutlichen bzw. lernen kann. Optimal für Seminare und Workshops mit Teams.
Eine Fülle solcher “Spiele” findet man beispielsweise auf dem Blog TaststyCupCakes. Ein weiteres, sehr anschauliches Spiel mit dem seltsamen Titel Elephant Carpaccio findet sich bei Alistair Cockburn. Immerhin einer der Verfasser des Agilen Manifests und Erfinder von Crystal.
Zu guter letzt gibt es dann auch noch das Ball-Point Game von Boris Gloger. Die Anleitung dafür gibt es hier, sowie auf dem Blog von Mark Summer.
Tags: Agiles Projektmanagement, Übung, Inspiration, Scrum, Spiele, Team